Der “E-Effekt” – Bessere Entscheidungen treffen

date_rangeMittwoch Februar 23, 2022 - im Allgemein

In einem englischen Text las ich mittendrin ein deutsches Wort und fand ich das mehr als amüsant. Die Amerikaner haben ja da ein paar lustige Wörter , wie z.B. “Pretzel”, “Deli”(-katesse), “wunderbar” in ihren Sprachgebrauch eingebaut. Auf jeden Fall machte es mich neugierig, was der gemischte englische Ausdruck “Einstellung effect” wohl bedeutet? Die Lösung war dann ganz auf meiner Wellenlänge und passt hervorragend zum Coaching und in ein agiles Mindset. Da ich gerne abkürze, nenne ich diesen Effekt den “E-Effekt”.

Entscheidungen kosten Energie

Unser Gehirn ist hochkomplex und muss für die Verarbeitung von Informationen sehr ökonomisch mit seiner Energie haushalten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir in der Regel immer die Lösung wählen, welches in unserer Erfahrung bereits zu einem funktionierenden Ergebnis geführt hat. Das ist oft gut, führt aber auch dazu, dass man über komplexe Lösungen nicht genügend nachdenkt. “Es hat doch immer so funktioniert”, sagt der Entscheider. Dass er damit seinen Energieaufwand gering hält, ist ihm in der Regel nicht bewusst. Solange es gangbare Lösungen erschafft, ist es ja OK.

Doch komplexe Entscheidungen in einer komplexen (VUCA-) Welt kann man nicht mit den immer gleichen Entscheidungen abtun. Im NLP haben wir dazu eine definierte Aussage:

“Wenn etwas nicht funktioniert, mache etwas anders!”

NLP Vorannahme (DVNLP)

Ich würde das gerne ergänzen:

Bevor Du eine Entscheidung triffst, lass Dir Zeit und denke nach. Und vor allem wenn Du unter Stress bist.

Das entspricht ganz dem Denken von aktuellen Forschern und Publizisten, wie zum Beispiel Daniel Kahnemann, der in seinem Buch “Schnelles Denken, langsames Denken” es hervorragend gezeigt hat, wie schnell sich das menschliche Gehirn auf falsche Fährten locken lässt.

Schauen wir uns folgende Matheaufgabe aus seinem Buch an und der Leser antwortet einfach mal spontan, wie die Lösung sein sollte: Ein Legostein und eine Tasse kosten gemeinsam 1,10€ Die Tasse kostet 1€ mehr als der Stein. Was kostet der Stein? Bevor Du weiterliest antworte jetzt spontan.

Die meisten und auch ich haben in der spontanen Antwort das naheliegende 0,10€ geantwortet – wenn auch mit komischen Gefühl. Die richtige und mit wenig Nachdenken gefundene Lösung ist aber anders. Teste mal wie lange Du brauchst diese herauszufinden? (Gern per Kommentar posten)

Durchschnittlich braucht der Mensch 20-30 Sekunden um das richtige Ergebnis zu finden. Und wer sich in der ersten Runde beobachtet hat, der hat vielleicht auch die Gedankengänge mitbekommen, die suggeriert haben, dass man die Lösung doch jetzt gefunden hat und das Denken aufhören kann. Das war sozusagen der innere Ressourcenverwalter oder Quartiermeister “Q”, der sich gerne anderen Aufgaben widmen wollte.

Das bringt uns sozusagen zum Ende der Entscheidung, auch wenn es sich nicht richtig anfühlt. Unsere Gefühle und vor allem auch die Erfahrungen die wir gemacht haben, wollen immer als erstes antworten. Wir greifen auf Strategien zurück, die uns bekannt sind. Komplexere Lösungen machen wir immer erst, wenn etwas nicht mehr geht. Doch leider zeigen sich falsche Antworten nicht immer sofort. Sie bleiben als falsche Lösungen im System. Erst wenn jemand das kontrolliert oder das gewünschte Ziel nicht eintritt, werden diese verworfen. Agile Wege helfen dabei – aber auch nicht immer. Und das hat wieder andere Gründe:

Weitere Motivationen der Entscheidungen werden oft missachtet

Wenn jeder nur für sich selbst Entscheidungen fällt, dann kann die Logik einen großen positiven Anteil dabei haben. Allerdings gibt es ein paar Aspekte, die man noch beachten sollte:

  • Emotio schlägt Ratio.
  • Im Stress nimmt der “E”- Effekt zu.
  • Ist das Ergebnis positiv emotional besetzt, wird es wahrscheinlicher.
  • Ist es negativ emotional besetzt, wird es unwahrscheinlicher. Also das Bauchgehirn entscheidet mit.
  • Anerkennung oder Machtzunahme sind oft Teil von Entscheidungen
  • Bei einem Teil de Menschen werden bestimmte Motivatoren aktiviert, die mit der Zunahme von Macht einhergehen. Wenn eine Entscheidung, obwohl sie nicht ganz logisch ist, trotzdem den Zuwachs von Macht und Kontrolle mitbringt, bzw. zusätzliche Anerkennung bringt, dann wird diese bevorzugt.

Was bedeutet das im Businesskontext.

In hierarchischen Systemen, werden also Machtentscheidungen getroffen und Entscheidungen, die auf Anerkennung aus sind. Ein System, das beides protegiert, erlebt dann also schnell wie Projekte den Bach runtergehen, aber einzelne Mitarbeiter in der Gunst steigen.

So ist das früher in IT Projekten geschehen, die der Projektleiter nicht abgebrochen hat, weil er damit seine Rolle verloren hätte. In agilen Systemen ist die Entscheidung, tote Pferde weiter zu reiten, zum Glück auf mehrere Entscheider verteilt und es sind bestimmte Kriterienabfragen eingebaut, die frühzeitig den Abbruch fordern. Vielleicht ist das sogar einer der wichtigsten agilen Eigenschaften.

Die Methodik des Denkens und Entscheidens erschafft den Erfolg

Unser Gehirn ist zum Denken gemacht. Es hat die Fähigkeit sogar in gefährlichen Situationen noch den Großteil der Energie des Körpers anzuzapfen. Eine Eigenschaft die den Homo Saiens vom Neandertaler unterscheidet. Und der ist deswegen auch ausgestorben. Wenn man als Mensch lernt, in der richtigen Art zu Denken, dann ist Erfolg garantiert. Wenn nicht, dann hat uns früher Evolution ausgesiebt. Denn die anderen machen es vielleicht schon besser. Noch schneller zu entscheiden ist meist nicht die Lösung. Die Art, wie wir das tun, ist wichtiger als das was wir machen. Und wie schon gesagt: Wenn es stressig ist, dann muss man ganz langsam gehen!

Studien dazu sind :

Informationen zu unseren Ausbildungen:

Mit unserem Team von agile-teams.de unterstützen wir mit Coaching und Teamtrainings. Wir würden uns freuen, wenn Sie mal einen Blick auf die Seite werfen.


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